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Warum ist der Heisshunger auf Schokolade nachts so stark?

von Paul Schaub     jeudi 15.01.2026     1 Kommentar

Viele Menschen kennen es: Kaum ist es Abend, meldet sich der Appetit auf etwas Süsses – und besonders Schokolade steht dabei hoch im Kurs. Während man tagsüber oft diszipliniert bleibt, scheint der Wille am Abend oder in der Nacht zu bröckeln. Aber woran liegt das? Warum verspüren wir gerade nachts so einen starken Heisshunger auf Schokolade? Und was kann man dagegen tun? In diesem Artikel erfährst du die wissenschaftlichen, psychologischen und auch alltäglichen Gründe für den nächtlichen Schoko-Hunger – und wie du ihn besser verstehst und in den Griff bekommst.

Der Einfluss des Biorhythmus auf das Essverhalten

Unser Körper folgt einem inneren Rhythmus – dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser beeinflusst nicht nur unseren Schlaf-Wach-Zyklus, sondern auch unsere Hormone, unsere Verdauung und unser Hungergefühl. Studien zeigen, dass der Blutzuckerspiegel abends oft niedriger ist als tagsüber. Das kann dazu führen, dass der Körper nach einer schnellen Energiequelle verlangt – und Schokolade ist hier besonders verlockend, da sie schnell verfügbare Kohlenhydrate und Zucker liefert.

Zudem fährt der Körper am Abend seine Aktivität langsam herunter. Der Energiebedarf sinkt zwar, aber gleichzeitig steigt oft der Wunsch nach Belohnung oder Entspannung. Und genau hier kommt Schokolade ins Spiel – sie ist nicht nur süss und lecker, sondern wird auch vom Gehirn als „Belohnung“ wahrgenommen.

Emotionale Gründe: Stress und Belohnung

Der Abend ist für viele Menschen die erste Phase des Tages, in der sie zur Ruhe kommen – oder sich mit dem Tagesstress auseinandersetzen. Emotionaler Stress, Langeweile oder Einsamkeit können Auslöser für Heisshunger sein. Unser Gehirn reagiert auf Stress, indem es nach schnellen Lösungen sucht – und das bedeutet oft: Zucker, Fett und Serotonin. Schokolade enthält Stoffe wie Theobromin, Phenylethylamin und Tryptophan, die sich positiv auf die Stimmung auswirken können.

Der Konsum von Schokolade kann kurzfristig Glücksgefühle hervorrufen, weil sie die Ausschüttung von Serotonin – dem sogenannten Glückshormon – begünstigt. Besonders in stressigen Phasen oder bei innerer Unruhe greifen viele deshalb reflexartig zu etwas Süssem, um sich selbst zu beruhigen oder zu trösten.

Gewohnheiten und Konditionierung

Viele Menschen verbinden Schokolade mit positiven Kindheitserinnerungen oder mit einem festen Ritual: die Tafel Schokolade zum Feierabend-Film, das Stück Schoki nach dem Abendessen oder der „Belohnungssnack“ nach einem langen Arbeitstag. Diese Verknüpfungen sind tief im Unterbewusstsein verankert und können zu automatisierten Verhaltensmustern führen.

Je häufiger man der Gewohnheit nachgibt, desto stärker wird sie. Das Gehirn speichert die Handlung als „Lösung“ für ein Bedürfnis ab – auch wenn es langfristig vielleicht kontraproduktiv ist. Nach und nach entwickelt sich daraus ein Automatismus: Sobald es dunkel wird oder Ruhe einkehrt, entsteht der Drang nach Schokolade.

Schlafmangel verstärkt den Appetit auf Süsses

Ein oft unterschätzter Faktor ist der Schlaf. Wer regelmässig zu wenig schläft, bringt seinen Hormonhaushalt durcheinander – insbesondere die Hormone Leptin (Sättigung) und Ghrelin (Hunger) geraten aus dem Gleichgewicht. Ghrelin steigt bei Schlafmangel an, während Leptin sinkt – mit der Folge, dass man sich hungriger fühlt, obwohl der Körper eigentlich keine zusätzliche Energie benötigt.

Interessanterweise zeigen Studien, dass insbesondere der Appetit auf Zucker und fettige Snacks bei Schlafmangel zunimmt. Die Folge: Wer zu wenig schläft, hat am nächsten Abend – und besonders in der Nacht – viel eher Lust auf Schokolade und Co.

Warum ausgerechnet Schokolade?

Natürlich stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet Schokolade? Warum nicht Obst oder ein Käsebrot? Schokolade wirkt besonders anziehend, weil sie nicht nur süss ist, sondern auch Fett enthält – eine Kombination, die unser Belohnungssystem maximal aktiviert. Evolutionär gesehen sind Zucker und Fett wertvolle Energiequellen, die früher schwer zu bekommen waren. Unser Körper ist deshalb darauf programmiert, sie möglichst zu speichern.

Hinzu kommt: Schokolade ist leicht verfügbar, überall zu kaufen und lange haltbar. Wer einmal angefangen hat, kann oft schwer wieder aufhören – das liegt auch daran, dass Schokolade das Belohnungszentrum im Gehirn stärker anspricht als viele andere Lebensmittel. Man spricht hier sogar von einem suchtähnlichen Effekt.

Wie man mit nächtlichem Heisshunger besser umgeht

Der erste Schritt ist immer, das eigene Verhalten bewusst wahrzunehmen. Wer merkt, dass der Drang nach Schokolade abends regelmässig auftritt, kann überlegen, welche Situationen ihn auslösen. Liegt es an Stress, Langeweile, Frust oder einfach nur an der Gewohnheit? Manchmal hilft schon ein kurzer Spaziergang, ein Glas Wasser oder eine kleine Ablenkung, um den Impuls zu durchbrechen.

Auch eine ausgewogene Ernährung über den Tag hinweg kann helfen, Heisshunger am Abend zu vermeiden. Wer regelmässig isst, ausreichend Ballaststoffe, Proteine und komplexe Kohlenhydrate zu sich nimmt, verhindert Blutzuckerschwankungen und hat abends weniger Gelüste.

Ausserdem lohnt sich ein Blick auf die Schlafqualität. Wer genug und gut schläft, kann hormonellen Auslösern für Heisshunger gezielt entgegenwirken.

Fazit: Heisshunger auf Schokolade hat viele Ursachen – und ist normal

Der nächtliche Drang nach Schokolade ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Disziplin, sondern hat viele nachvollziehbare Ursachen – biologisch, emotional und verhaltensbedingt. Wenn man versteht, was im Körper und im Kopf vor sich geht, kann man bewusster mit dem Heisshunger umgehen – und langfristig sogar neue, gesündere Routinen entwickeln.

Ein Stück Schokolade am Abend ist übrigens kein Weltuntergang – wichtig ist nur, dass es nicht zum Automatismus wird. Wer sein Verhalten reflektiert und sich mit den Hintergründen beschäftigt, kann bewusster entscheiden, wann und warum er zur Schokolade greift – und vielleicht auch mal zu einer besseren Alternative.

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